Hoffmann zieh‘ leine! – Schluss mit der Altherrenriege beim VfB Oldenburg!

Kürzlich haben die Genoss*innen von der Oldenburger Ultra-Gruppe Entourage auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass der langjährige Sicherheitsbeauftragte des VfB Oldenburg, Holger Hoffmann, öffentlich die Gefahr der Corona-Pandemie leugnet.

Doch damit nicht genug: Hoffmann, welcher mit Fug und Recht als rechtsoffen bezeichnet werden kann, ist für das Hygienekonzept bei den Fußballspielen verantwortlich, die bis vor Kurzem mit bis zu 820 Personen im Marschwegstadion stattfinden durften.

Wir möchten dies zum Anlass nehmen, um über Hoffmanns politische Vita allgemein zu berichten und klar zu stellen: Hoffmann ist ein höchst problematischer, rechtsoffener Akteur, der im VfB Oldenburg längst nichts mehr zu suchen hat.

Es geht unter Anderem um Corona-Leugnung, Verhinderung antifaschistischen Protests, Handshakes mit Hooligans und Verbindungen zu Rechtsextremen.

Die Causa Hoffmann

Holger Hoffmann ist seit einigen Jahren der Sicherheitsbeauftragte des VfB Oldenburg.
Das bedeutet, dass er unter Anderem die Organisation des Ordnungspersonals übernimmt, aber auch für die Umsetzung der Hygienemaßnahmen im städtischen Marschwegstadion verantwortlich ist.

Letzteres ist so absurd wie gefährlich, denn Hoffmann glaubt zwar nicht einmal an die Existenz einer Pandemie, aber ist sich dafür umso sicherer, dass Covid-19 nicht gefährlicher sei als eine Grippe.
Dies legt ein Kommentar nahe, den er vor Kurzem unter einem Facebook-Beitrag des NDR bezüglich neuer Corona-Verordnungen hinterließ.¹

 

Hierbei stellt er nicht nur die Gefahr des Virus in Frage, sondern agitiert zusätzlich in einer Form, die impliziert, dass „das Volk“ durch die Maßnahmen einzig und allein „mürbe gemacht“ werden sollte und die da Oben „uns von vorne bis hinten verar……..“ würden.

Damit bedient sich Hoffmann aus der ideologischen Argumentationskiste der verschwörungsgläubigen „Anti-Corona-Bewegung“.
Die Rede ist von einem angeblichen Plan menschenfeindlicher „Eliten“ zur Zersetzung völkisch gedachter Kollektive.
Dass diese Weltsicht als strukturell antisemitisch zu bezeichnen ist, hat einen guten Grund.
So ist diese Form der „Gesellschaftsanalyse“ nicht nur falsch und verkürzt, sondern legt durch ihre konstruierten Sündenböcke nahe, es gäbe eine verschworene Gruppe, die es zu beseitigen gelte.
Strukturell entsprechen diese Denkweisen dem modernem Antisemitismus nur mit anderen Schlüsselwörtern, oder anders: „Struktureller Antisemitismus ist Antisemitismus noch ohne Juden.“²

Wir halten fest, dass Hoffmann als Sicherheitsbeauftragter in den Punkten Hygiene und Verschwörungsglaube durchfällt.
Er soll gegen die Ausbreitung eines neuartigen Corona-Virus fungieren, dessen Existenz er aber für eine bloße Propagandalüge dubioser Eliten halten will. Das ist problematisch und unnachvollziehbar.

„Sicherheit“ im Stadion = Anti-Antifa?

Doch es gibt durchaus weitere Gründe, Hoffmann als denkbar schlechten Sicherheitsbeauftragten anzusehen.
So sorgte er im Vorlauf des AfD Landesparteitages in Oldenburg 2018 für überregionale Aufmerksamkeit, als er sich während eines Spiels dafür einsetzte, die von Fans gezeigten „#fckafd Plakate unter dem Deckmantel der politischen Neutralität“ zu entfernen.³

Der VfB für Alle schreibt dazu:

„Während verschiedene Fangruppen sich beim Heimspiel deutlich durch Spruchbänder gegen eine Partei positionierten, die offenkundig den Schulterschluss mit extrem Rechten sucht und die Grenzen des Sagbaren nach rechts verschiebt, nahm sich der Sicherheitsbeauftragte das Recht heraus, die Plakate eigenständig zu entfernen, was ihm zum Teil auch gelang. Am nächsten Tag erfolgte eine schriftliche Mitteilung durch den Vorstand, Geschäftsführung und dem Sicherheitsbeauftragten (wohl gemerkt ohne dies mit dem Fanbeauftragten zu besprechen), dass in Zukunft schriftliche Äußerungen nicht mehr zugelassen werden. Banner, Spruchbänder und Choreographien, die über die Selbstdarstellung der Fangruppen hinausgehen, müssten zukünftig beim Verein angemeldet werden. Nicht angemeldete Banner/Choreografien werden zukünftig entfernt. Zudem wurde mitgeteilt, dass der Block A (Supportblock der Ultras) mit sofortiger Wirkung geschlossen werde.“⁴

Zu dem Vorfall, der sich offenkundig gegen antifaschistische Politik im Stadion allgemein richtete, äußerte sich Hoffmann im Nachhinein, es gelte zu Verhindern, sich als VfB in politische Diskurse einzumischen und „dort ein Meinungsbild zu steuern“.⁵

Dieses Geschehen knüpft an Hoffmanns rechtsoffene Einstellung an, die sich nicht nur in seiner Freund*innenliste auf Facebook ausdrückt, wo Althooligans, rechte bis rechtsextreme Kampfsportler*innen, Corona-Leugner*innen und diverse Wutbürger*innen auftauchen, sondern mitunter auch in Vorfällen wie dem Folgenden.

Handshake mit Hools

Als am 23.09.2019 der VfB Oldenburg ein Auswärtsspiel beim VfB Lübeck absolvierte, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Hooligans beider Seiten.
Die gewaltbereiten (und teils rechtsradikalen) Hools aus Oldenburg bedachte der Sicherheitsbeauftrage (!) Hoffmann in Folge dessen am Bus mit herzlichen Handsschlägen und freundschaftlichem Austausch. Dies bestätigen übereinstimmende Zeug*innenaussagen.

Doch auch persönlich ist Hoffmann kein Gegner von Handgreiflichkeiten, wie sich auf unterschiedlichen Veranstaltungen des VfB bereits zeigte.

Wir haben es hier also zu tun mit einem verschwörungsgläubigen, rechtsoffenen, antisemitisch argumentierenden „Sicherheitsbeauftragten“, der eine gewisse Nähe zu zum Teil rechtsextremen Hooligans hat und als Hygienebeauftragter nicht an Corona glauben möchte – große Leistung, VfB!

Da fällt uns ein: Was hat es eigentlich mit dieser Geschichte auf sich, bei der Fans Aktionen zum Gedenken eines von den Deutschen in Auschwitz ermordeten jüdischen Spielers organisierten?

„In Gedenken an das Schicksal des jüdischen Spielers wurden im Stadion Flyer verteilt und gemeinsam mit einem Angehörigen, der uns bereits bei der Gedenkstätte nach Auschwitz begleitet hat, eine Choreografie realisiert. Im Nachgang wurde das Bild auf verschiedenen Plattformen geteilt und veröffentlicht. Leider nicht vom VfB. Weder auf der Webseite, bei Facebook oder später im Nachgang in der Stadionzeitung wurde hierüber ein Wort verloren. Selbstkritisch müssen wir anmerken, dass wir dem Verein hier auch nicht zugearbeitet haben (beispielsweise durch Texte oder Bilder). Da die Flyer für die Aktion jedoch beim Sicherheitsbeauftragten vorgelegt und angemeldet werden mussten, gehen wir davon aus, dass die Vereinsverantwortlichen von der Aktion wussten, zumal ein Vorstandmitglied sich an dem Tag noch am Stadioneingang mit einer Person kurz über die Aktion unterhielt. Wir hätten uns gewünscht, dass die Verantwortlichen beim VfB die Gedenkaktion entsprechend würdigen.“⁶

Scheinbar sind Themen wie angebliche Verschwörungen gegen „das Volk“ für Holger wichtiger, als eine Aufarbeitung deutscher Verbrechen.

Hoffmann, zieh‘ leine!

Holger Hoffmann hat im VfB Oldenburg nichts zu suchen.

Er pflegt Sympathien und Kontakte zu Rechten und Rechtsradikalen.
Er stärkt oldenburger Hools den Rücken, aber möchte antifaschistische Politik verhindern, ist für Hygieneregelungen verantwortlich, aber leugnet Corona.

Wie kann es sein, dass so jemand im VfB Oldenburg einen Platz haben kann?

Ganz einfach: In der Altherrenriege des Vorstands ist er wunderbar aufgehoben.
Eine alte, weiße, reaktionäre Runde, die selbst Vergewaltigern wie ihrem (mittlerweile aus „privaten und beruflichen Gründen“ zurückgetretenen) ehemaligen Geschäftsführer Benjamin Doll nicht den Rücktritt von Ämtern nahelegt, rechtsoffene Ultragruppen wie Suburban oder die Ammerländer Jungs supportet und Fanbeteiligung entgegenarbeitet.⁷ ⁸ ⁹

Dieser Zustand ist schlicht unbegreiflich.
Von den Fans hat sich der Vorstand offensichtlich bereits seit langem entfremdet, seine Art und Weise, den VfB zu managen ist in Teilen menschenfeindlich, nachlässig und abgehoben.

Wir fordern, dass endlich Schluss gemacht wird mit diesen rechten und autoritären Prozessen im VfB Oldenburg und sagen:

„Hoffmann, zieh‘ leine! – Schluss mit der Altherrenriege beim VfB Oldenburg!“

¹: https://www.facebook.com/ndrniedersachsen/posts/3495327777189746
²: https://www.belltower.news/tacheles-struktureller-antisemitismus-ist-antisemitismus-noch-ohne-juden-108281/
³: https://www.instagram.com/p/CJyXHk8nOD-/
⁴: http://www.vfbfueralle.de/?p=1406
⁵: https://www.ardmediathek.de/wdr/video/sport-inside/proteste-gegen-die-afd-fussballfans-fuehlen-sich-alleingelassen/wdr-fernsehen/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLWU5MjIyNDRhLTZhNTktNDRhNy1hMzNmLTBkMzMyY2E0Yzk1YQ/ (ab 08:22)
⁶: http://www.vfbfueralle.de/?p=1406
⁷: http://www.vfbfueralle.de/?p=1406
⁸: https://vfb-oldenburg.de/2020/12/31/benjamin-doll-zurueckgetreten/
⁹: https://www.oldenburg-forum.de/viewtopic.php?f=1&t=6954&sid=4c58c52c031c3fcc4aad1279d6d1fc30